Teil III : Nährstoffe für Pflanzen

In Teil 1 und 2 dieser Trilogie ist klar geworden, dass eine gute Beleuchtung und ausreichend CO2 dem Gedeihen der Pflanzen sehr zugute kommen. Ausreichende Mengen an richtigen Nährstoffen sind jedoch auch wichtig, um ein gutes Gedeihen zu erzielen. In diesem Teil gehen wir näher darauf ein und untersuchen, welche Nährstoffe, neben dem bereits angesprochenen CO2, sonst noch erforderlich sind.

Abbildung 1 zeigt wiederum das Testaquarium, das zum dritten Mal eingerichtet wurde, um den Bezug zwischen Theorie und Praxis zu verdeutlichen. Diesmal wurde ein schlichter Kiesgrund mit relativ vielen langsam wachsenden Pflanzen ausgewählt. Ein Teil des Vordergrundes besteht aus Glossostigma elatinoides und benötigt viel Licht. Es ist interessant zu sehen, dass relativ langsam wachsende Pflanzen wie Microsorum pteropus, Sagittaria subulata oder Cyperus helferi trotz der starken Beleuchtung nicht von Algen bedeckt werden und gut wachsen. Wenn das Gleichgewicht zwischen Licht, CO2 und Nährstoffen optimal ist, bekommen Algen praktischen keine Gelegenheit, sich zu manifestieren. Ein großer Vorteil eines Aquariums mit vielen niedrig bleibenden Pflanzen ist, dass die Spitzen der Pflanzen nicht regelmäßig entfernt werden müssen, wodurch die Pflege um einiges einfacher wird.

Um dennoch zu zeigen, dass Pflanzen im Testaquarium schnell wachsen können, wurde im Hintergrund eine Gruppe mit Rotala indica und Heteranthera zosterifolia eingesetzt, die sich nach 6 Wochen stark entwickelt hat und gut gefärbt ist.

Die Nährstoffaufnahme

Aquarienpflanzen nehmen Nährstoffe über die Wurzeln und die Blätter auf. Abhängig davon, ob die Pflanzen echte Wasserpflanzen oder eigentlich Sumpfpflanzen sind, nehmen sie mehr oder weniger Nahrung über die Blätter oder die Wurzeln auf. Nutrimente im Boden sind für echte Wasserpflanzen im Verhältnis weniger wichtig als für Sumpfpflanzen; echte Wasserpflanzen nehmen weitaus die meisten Nährstoffe über die Blätter auf.

Funktionsweise der Wurzel: die Basis

Nährstoffe werden also über die Blätter und die Wurzeln aufgenommen. Es ist sehr wichtig zu wissen, wie eine Wurzel funktioniert, sodass wir von diesen Informationen ausgehend einen guten Bodengrund ermitteln können, der für die Aufnahme von Nutrimenten und das Wurzelwachstum günstig ist.

Eine Pflanzenwurzel schafft in ihrer Umgebung ein aerobes Milieu, indem sie Sauerstoff abgibt. Dieser Bereich um die Pflanzenwurzel herum wird auch Rhizosphäre genannt. Abbildung 4 zeigt, dass in der Rhizosphäre diverse Prozesse ablaufen. Das aerobe Milieu versorgt die Bakterien mit Sauerstoff, sodass sie allerlei Stoffe abbauen können. Die freiwerdenden Nährstoffe werden anschließend über die Wurzel aufgenommen.

Die Pflanzenwurzel muss in der Lage sein, der fest-flüssigen Umgebung Nährstoffe (allerlei Nahrungselemente wie Eisen, Kalium und was sonst noch so im Boden vorhanden ist) zu entziehen. Das Wasser um die Pflanzenwurzel herum kann selbstverständlich auch viele Nutrimente enthalten. Außerdem kann an feste Stoffe, wie etwa Ton oder Torf, auch einiges an Nährstoffen angelagert sein, welche die Pflanzenwurzel gern haben möchte. Aus der Wurzel werden unter anderem dazu einige organische Säuren (in Abbildung 4 als H+ bezeichnet), darunter Aminosäuren, ausgeschieden. Dies schafft ein schwach saures Milieu, wodurch der pH-Wert in der Rhizosphäre etwa bei 6,4 zu liegen kommt. Diese organischen Säuren sind in der Lage, der Umgebung Nährstoffe zu entziehen und diese zu komplexieren (= chelatieren), sodass sie nicht mehr reagieren können. Diese Säuren wirken so als natürliche Komplexbildner oder Chelatoren. Komplexe mit den darin enthaltenen Nahrungselementen können als Ganzes von der Pflanzenwurzel absorbiert werden.
Natürlich kosten die Produktion und das Umpumpen organischer Säuren durch die Pflanze zusätzlich Energie. Besser ist es, wenn der pH-Wert der Umgebung schon von Natur aus ziemlich sauer ist. Aus diesem Blickwinkel wird plötzlich auch klar, dass Torf im Bodengrund ein Pluspunkt ist. Aber auch die Wasserqualität spielt eine Rolle: ist der pH-Wert des Wasser bereits ziemlich sauer, dann braucht die Pflanze weniger zusätzliche Energie dafür aufzuwenden, die Umgebung der Wurzel saurer zu machen. Übrigens produzieren die Bakterien auch einige saure Abbauprodukte und tragen auf diese Weise dazu bei, das Milieu etwas saurer zu machen.

Auch ist die Wurzel in der Lage, CO2 aufzunehmen. Insbesondere Sumpfpflanzen in der Natur machen davon regen Gebrauch. Die Wurzeln befinden sich häufig in CO2-reichen Sedimentbereichen im Bodengrund. Also sind nicht nur die Blätter einer Pflanze dazu in der Lage. Echte Wasserpflanzen benutzen mehr ihre Blätter als ihre Wurzeln für die CO2-Aufnahme. Die Wurzeln dienen bei echten Wasserpflanzen denn auch mehr der Verankerung im Boden.

In Aquarien darf die CO2-Aufnahme über die Wurzeln nicht überschätzt werden. Das CO2, das die Wurzeln über Abbauprozesse durch Bakterien und durch Diffusion an der Grenzfläche zwischen Boden und Wasser erreicht, deckt nur einen kleinen Teil des gesamten CO2-Bedarfs einer Pflanze. In der Natur kommen aber verrottende Sedimentschichten vor, die für ausreichend CO2 sorgen können, insbesondere in Sumpfgebieten, in denen sich Pflanzenreste zersetzen und CO2-Bläschen freigesetzt werden. Es ist jedoch richtig anzunehmen, dass wir durch Hinzufügen von CO2 in den Boden die Pflanzen mit diesem Stoff zusätzlich versorgen könnten. Eine CO2-Düngung über den Boden bei den Wurzeln ist in der Praxis jedoch nicht durchführbar. Daher können wir uns besser darauf konzentrieren, den CO2-Gehalt des Wassers aufrecht zu erhalten – einfacher, schneller, wirksamer.

Der Bodengrund im Aquarium: Sand oder Kies?

Seit es die Aquaristik gibt wird heftig über den idealen Bodengrund diskutiert. Sand oder Kies, Nährboden oder nicht? Dennoch ist diese Frage recht einfach zu beantworten, da wir nun die Funktionsweise der Wurzel im Groben kennen.

Wurzeln benötigen ein aerobes, eher saures Milieu, und sie sind abhängig von den Nährstoffen, die im Boden vorhanden sind oder die durch Diffusion aus dem anderen Bodenbereich oder dem Wasser zugeführt werden müssen (siehe Abbildung 5).

Professionelle Pflanzenzuchtbetriebe zeigen, dass Pflanzen, die in Steinwolle und mit den Wurzeln im Wasser gezogen werden, bestens wachsen können (Abbildung 6).

Sand hat den großen Nachteil, dass nur sehr wenig Diffusion stattfinden kann. Das Material besitzt eine dichte Struktur, und es entstehen sehr leicht große anaerobe Bereiche im Boden. Von der Verwendung eines zusätzlichen Nährbodens in einem Sandboden

Außerdem wird es die Pflanzenwurzel noch mehr Energie kosten, um die Rhizosphäre in einer überwiegend anaeroben Umgebung aerob zu machen und zu halten. Ein Vorteil eines Sandbodens jedoch – im Gegensatz zu gröberen Böden – ist, dass u.a. Futter- und Pflanzenreste oben auf dem Material liegen bleiben, sodass sie leichter zu entfernen sind.

Gerade weil wir es in einem Aquarium mit einer Vielfalt an Pflanzen zu tun haben, ist es sicher besser, eine feine Kiessorte zu wählen, bei der die Diffusionsprozesse leichter ablaufen können. Kies bietet denn auch mehrere Vorteile, darunter:

  • Zufuhr von Nährstoffen durch Diffusion aus dem Wasser oder der Bodenumgebung
  • Stimulation des aeroben Abbaus von Abfallstoffen im Boden: zusätzliche Nahrung für die Wurzeln
  • Vermeidung des Entstehens größerer anaerober Bereicht
  • Nährböden haben weniger Gelegenheit zum Versticken und Faulen.

Natürlich können Pflanzen auch auf einem Sandboden wachsen; ab einem gewissen Zeitpunkt werden sie ihre Nahrung jedoch hauptsächlich über die Blätter beziehen müssen. Wenn ein Aquarium mit einem Sandboden jedoch stark bepflanzt ist, kann die Bildung anaerober Bereiche im Boden stark eingeschränkt werden. Durch die aeroben Bereich, die um die Wurzeln der vielen Pflanzen herum entstehen, können sich kaum noch große anaerobe Bereiche ausbilden. Insgesamt gesehen erscheint die Verwendung eines Sandbodens jedoch weniger ratsam als die eines Kiesbodens oder eines anderen inerten grobkörnigen Bodengrundes. Bei unserem Testaquarium haben wir daher Kies von 2 – 4 mm bevorzugt.

Die Verwendung eines leichten Nährboden ist zu empfehlen, da manche Pflanzenarten deutlich davon profitieren. Cryptocoryne sp. und Echinodorus sp. sind Pflanzen mit einem großen Wurzelwerk, die örtlich etwas zusätzliche Nahrung schätzen. Selbstverständlich können wir auch auf einen leichten Nährboden verzichten und die Pflanzen hier und da mit Lehmkügelchen oder etwas Torf ein wenig zudüngen.

Unser Testaquarium enthält jedoch keinen Nährboden, und es wird – außer mit CO2 – ausschließlich mit einem flüssigen Volldünger gedüngt. Die Fotografien beweisen, dass die Pflanzen normal gedeihen und gesund sind.

Notwendige Elemente – Aufnahme über die Blätter

Blätter sind ein sehr kräftiges Instrument, um dem Wasser direkt Nährstoffe zu entziehen und diese in einer Pflanze zu verteilen. Für ein gutes Gedeihen benötigen die Pflanzen diverse Baustoffe:

- C, H, und O: Strukturelemente

- N, P und K: Hauptelemente

- Ca, Mg und S: sekundäre Elemente

- Fe, Mn, B, Mo, Cl, Zn und Cu: Spurenelemente

Die ersten drei Elementgruppen werden auch Makronährstoffe genannt, während die Spurenelemente auch als Mikronährstoffe bezeichnet werden. Abbildung 7 zeigt den groben Aufbau eines getrockneten Pflanzenblattes. Sehr viele Elemente kommen nur in sehr geringen Konzentrationen vor. Das sind die Spurenelemente mit einem Vorkommen von < 0,1 %.

Die Struktur- und Hauptelemente verleihen der Pflanze Festigkeit und werden für den sichtbaren Aufbau gebraucht: Zellwände, Gefäßsystem, Zellstrukturen usw. Die sekundären Elemente werden irgendwo im Verlauf des Aufbauprozesses eingebaut. Die Spurenelemente sind notwendig, um koenzymatische Reaktionen innerhalb der Pflanze zügig und gut ablaufen zu lassen. Insbesondere die genaue Funktion mancher Spurenelemente ist der modernen Wissenschaft noch nicht bekannt, fest steht jedoch, dass diese Elemente für das gute Gedeihen der Pflanzen notwendig sind.

Die Erforschung der in einer Pflanze vorhandenen Elemente fördert mitunter Elemente zutage, die nur sporadisch vorhanden sind. Langsam aber sicher werden jetzt Elemente, wie etwa Vanadium, als doch nicht unwichtig erkannt, während frühere Untersuchungen diesbezüglich nicht aufschlussreich waren.

Allgemein kann man aber sagen, dass jedes Element wichtig ist. Auf jeden Fall gilt das Liebig’sche Gesetz des Minimums: Das Gedeihen der Pflanze richtet sich nach dem Nährstoff, der ihr am wenigsten zur Verfügung steht. Das Fehlen eines Elements kann also zum Stocken des Wachstums führen. Es sei erwähnt, dass dieses Gesetz nur von Nährstoffen handelt, und nicht von anderen Wachstumsfaktoren wie Licht, Temperatur, pH-Wert, Allelopathie und Wasserhärte.

Aufnahme und Speicherung

Pflanzenblätter sind ständig „auf der Suche“ nach Nährstoffen. Dies ist ein aktiver Prozess und kann selektiv erfolgen. Wenn eine Pflanze beispielsweise einen Molybdän-Mangel hat, wird sie vorrangig Molybdän aufnehmen, ungeachtet der möglicherweise vorhandenen recht hohen Konzentrationen an Eisen, Kalium oder Kalzium. Die Pflanze kann in gewissem Maße der vollständigen Verdrängung von Molybdän durch andere hochkonzentrierte Elemente entgegenwirken. Pflanzen sind also aktiv auf der Suche nach Nahrungselementen. Am liebsten erhalten sie diese in einer Form, die leicht aufzunehmen ist und somit wenig Energie kostet, wie etwa über Chelatoren. Chelatoren umschließen das Element, sodass es nicht mehr mit anderen Stoffen reagieren und leicht von der Pflanze aufgenommen werden kann.

Falls erforderlich, werden Pflanzen jedoch auch Nährstoffe isolieren und aufnehmen, die beispielsweise in Salzen und Oxiden vorhanden oder die an feste Oberflächen adsorbiert sind. Das kostet zwar viel Energie, aber sie können sehr weit gehen, um an einen benötigten Nährstoff heranzukommen. Ist beispielsweise im Wasser kein CO2 mehr vorhanden, können die Pflanzen anfangen, CO2 aus Bikarbonaten zu gewinnen, wodurch eine biogene Entkalkung stattfindet (siehe Teil 2 dieser Trilogie).

Messungen zeigen, dass eine echte Wasserpflanze in der Lage ist, innerhalb weniger Minuten genügend Elemente aus einer Pflanzennahrung aufzunehmen, die für etwa eine Woche guten Gedeihens ausreichend sind. Selbstverständlich unterscheiden sich Aufnahmezeit und Speicherkapazität je nach Pflanzenart, allgemein kann jedoch gesagt werden, dass die zugeführte flüssige Pflanzennahrung ihr Ziel innerhalb weniger Stunden erreicht hat. Alles was bis dahin nicht aufgenommen wurde, dient als Nahrung für die Bakterien im Aquarium oder dem Filter – und für die Algen. Wenn man weiß, dass die Pflanze bis zu einem gewissen Maß speichert, dann ist es verständlich, dass ein Übermaß an Nahrungselementen nicht sinnvoll ist. Die Pflanze kann vorläufig einfach nicht mehr aufnehmen, und der Rest bleibt für die Bakterien und Algen übrig.

Moderne Düngung: flüssige Pflanzenernährung

Die Anwendung kraftvoller Beleuchtungstechniken, wie HQ1 und T5-Lampen, und CO2-Düngung haben deutlich gemacht, dass allein ein Nährboden nicht mehr ausreichend ist, um die Pflanzen mit den benötigten Nährstoffen zu versorgen. Trotz eines gehaltvollen Nährbodens entstehen dennoch Mangelerscheinungen. Das kommt daher, dass die Assimilation auf einem so hohen Niveau verläuft, dass die primäre Zufuhr über die Wurzeln buchstäblich nicht mehr rechtzeitig ankommt. Die Durchführung eines vollständigen Bauzyklus, beispielsweise für den Aufbau neuer Zellstrukturen, erfordert die Einbeziehung und das Vorhandensein aller benötigten Elemente. Fehlt auch nur ein Element, dann stockt der Zyklus, und der Aufbau sowie das damit einhergehende Wachstum stagnieren. Zwar wird die Pflanze etwas warten, wenn das aber zu lang dauert, wird sie versuchen, den Zyklus dennoch abzuschließen. Mitunter äußert sich dies in einem verlangsamten Wachstum und sichtbaren Mangelerscheinungen (siehe weiter unten in diesem Artikel).

In den Aquarienpflanzenzüchtereien wird darauf geachtet, dass ausreichend Eisen, Mangan, Kalium, Magnesium und ähnliches vorhanden ist, um die Pflanzen gut weiterwachsen zu lassen. Das ist natürlich von wesentlicher geschäftlicher Bedeutung – eine längere Anzuchtzeit bedeutet höhere Kosten, also lautet die Devise: möglichst effizient vorgehen. Es werden diverse Apparaturen und regelmäßig umfassende Wasseranalysen eingesetzt, um die Nährstoffmenge zur Vermeidung eventueller Wachstumsstörungen zu regulieren.

Das Problem wird denn auch sofort klar, wenn wir über Düngung im Aquarium sprechen. Eine umfassende Wasseranalyse pro Monat ist zu teuer. Außer vielleicht bei Eisen haben die meisten Aquarianer keine Ahnung, wie viel von welchem Spurenelement sich zu einem bestimmten Zeitpunkt im Wasser befindet. Ein guter Nährboden gibt auch keine echte Garantie, da sehr wohl einige Spurenelemente um die Rhizosphäre herum fehlen oder aufgebraucht sein können.

Bloß Eisen zuzugeben hat eigentlich keinen Sinn, da häufig auch andere Elemente benötigt werden. Gerade in stark bepflanzten und beleuchteten Aquarien ist der Bedarf häufig höher als man erwarten würde. Auch weil Pflanzen hervorragend speichern können, hindert uns nichts daran, alle Nährstoffe auf einmal zuzugeben.

Wenn alle Nährstoffe auf einmal zugegeben werden, könnte theoretisch eine Verdrängung bestimmter anderer Elemente stattfinden, da von einem oder mehreren Elementen sehr hohe Konzentrationen im Aquarienwasser vorhanden sind. Dieser Verdrängungsprozess könnte dann zu Mangelerscheinungen führen, wodurch die Pflanzen Wachstumshemmungen und/oder Missbildungen erleiden. Diesen Prozess haben wir nur in hartem Wasser signifikant feststellen können, wobei sich sehr hohe Konzentrationen an Härte-Ionen im Aquarienwasser befanden. In anderen Fällen, in denen eine Düngerflüssigkeit hohe Konzentrationen an Eisen, Kalium und/oder Magnesium enthielt, konnte von einem signifikanten Verdrängungsprozess überhaupt keine Rede sein, d.h. es wurden längerfristig keine Mängelerscheinungen festgestellt. Es hindert uns faktisch also nichts daran, alle Nahrungselemente auf einmal zuzugeben. Das machen die Aquarienpflanzenzüchter übrigens auch.

Ein Mangel an Nährstoffen für die Pflanzen im Aquarium ist wahrscheinlich häufig die Ursache dafür, dass Algen eine Chance bekommen. Die Düngung mit Flüssigdünger wegen eines Algenproblems einzustellen, kann dieses Problem sogar noch verstärken. Pflanzen benötigen nämlich mindestens 15 Elemente, um den vollständigen Aufbauzyklus durchlaufen zu können, wohingegen Algen viel anspruchsloser sind und mit viel weniger Elementen auskommen, um wachsen zu können. Damit Pflanzen besser mit den Algen konkurrieren können, müssen ihnen alle erforderlichen Nährstoffe zur Verfügung stehen (einschließlich CO2 und ausreichend Licht). Ein gutes Gedeihen der Pflanzen ist oft die beste Methode, Algen abzuwehren.

Die wöchentliche Düngergabe ist weiter kein Problem. Abbildung 8 zeigt, dass Pflanzen leicht die für eine Woche erforderliche Menge speichern können und dass erst danach ein Mangel entsteht.

Täglich eine kleine Dosis zuzugeben ist vielleicht noch besser, erfordert jedoch eine gute Disziplin und macht die Sache unnötig kompliziert. Der durch dieses Tagesdosis erreichte Vorteil, so haben wir zumindest erfahren, ist nur klein oder gar nichtexistent.

Es ist nicht klug, kurzerhand davon auszugehen, dass manche Nährstoffe aus dem Leitungswasser, dem Fischfutter und allerlei Fischausscheidungen bereits in ausreichendem Maße im Aquarium vorkommen. Es lässt sich eigentlich unmöglich sagen, welche (Spuren)Elemente und welche Mengen davon ins Aquarienwasser gelangen. Außerdem wird ein Teil der Nahrungselemente, die auf diese Weise ins Wasser gelangen, durch Reaktionen mit anderen Stoffen niemals einer Pflanze zur Verfügung stehen. Jedes Aquarium ist einzigartig, mit eigenem Bakterienbestand und eigener Wasserchemie. Der Boden, der Filter, der Pflegezustand, der Wasseraustausch, der Besatz mit Pflanzen und Fischen usw. sorgen dafür, dass jeder ein anderes Aquarium mit seinem eigenen, einzigartigen Charakter besitzt. Es ist schlichtweg unmöglich vorauszusagen, welche Elemente bereits „auf natürliche Weise“ für das Pflanzenwachstum im Aquarium vorhanden sein werden. Man kann daher am besten eine Düngungsweise wählen, wobei alle Nährstoffe in ausreichendem Maße ins wasser gelangen, um den Bedarf der Pflanze decken zu können.

Nitrate und Phosphate

Eine Ausnahme zu den vorstehenden Ausführungen sind u.a. die Elemente Stickstoff (N) und Phosphor (P). Die allermeisten Gesellschaftsaquarien sind bereits über das Fischfutter, die Fischausscheidungen und die Nitrifikationsprodukte reichlich mit diesen Elementen versorgt. Daher ist der Zusatz von Nitraten oder Phosphaten zu Volldüngern nicht zu empfehlen. Das würde in den meisten Fällen bloß algenfördernd wirken. Stark bepflanzten Becken mit viel Licht wird jedoch gelegentlich doch zusätzlicher Stickstoff und/oder Phosphor zugegeben werden müssen, um den hohen Bedarf der Pflanzen zu decken. Diese Nährstoffe werden dem Wasser denn auch separat hinzugefügt.

In unserem Testaquarium mit starkem Pflanzenwachstum befinden sich sehr wenig Fische (15 kleine Fische) bezogen auf den Wasserinhalt (netto 500 Liter). Der gemessene Phosphat- und Nitratgehalt beträgt 0. Es liegt ein Stickstoffmangel vor. Dieses Element wird denn auch künstlich über eine KNO3- (Kaliumnitrat-)Lösung zugegeben. Der Nitratgehalt wird auf diese Weise wöchentlich auf etwa 5- 10 mg/l erhöht. Phosphat wird sporadisch zugegeben: 1 × pro Monat, und erhöht auf ein messbares Niveau von 0,1 – 0,5  mg/l. Es wäre korrekt zu sagen, dass wohl etwas mehr Fische eingesetzt werden dürften, um auf diesem „natürlichen Weg“ etwas zusätzlichen Stickstoff und Phosphor ins Wasser zu bekommen.

Der geringe Phosphatgehalt (< 0,1 mg/l) behindert das Algenwachstum in erheblichem Maße. Phosphat wird in diesem Fall als Minimumfaktor benutzt und wirkt einschränkend auf die Algen. Pflanzen können sehr viel Phosphat speichern, aber Algen können dies kaum und müssen dem Wasser täglich aufs Neue ihre Phosphat-Ration entziehen. In vielen Fällen können sie nicht mehr gegen die Konkurrenz der Pflanzen bestehen und verschwinden allmählich.

Sichtbare Mangelerscheinungen

Ein Mangel an einem bestimmten Element führt unweigerlich zu Wachstumsproblemen. Stockende Assimilation, Missbildung von Blättern und unerwünschtes Algenwachstum sind die Folge. Wie wir bereits gesehen haben, ist jedes Nahrungselement wichtig und hat seine eigene Funktion innerhalb der Kette. Trotz aller modernen Techniken ist man noch immer nicht in der Lage, alle Prozesse in einer Pflanze zu erklären. Selbst die Funktion bestimmter Spurenelemente wie Vanadium kennt man noch nicht, aber man weiß, dass es eine Rolle spielt.

Verfärbungen und Missbildung sind meist deutliche Zeichen dafür, dass etwas nicht in Ordnung ist und dass eines oder mehrere Nahrungselemente nicht oder nicht in ausreichendem Maße vorhanden sind. Natürlich ist es bei erkennbaren Wachstumsproblemen schon zu spät und der Schaden ist meist irreparabel.

Am besten wäre es, wenn an dieser Stelle eine Tabelle mit allen Wachstumsstörungen präsentiert werden könnte. Dies hat jedoch wenig Sinn. Nicht nur, weil viele Probleme einander ähneln, sondern auch weil oftmals mehrere Dinge gleichzeitig auftreten, wie in Abbildung 9 gezeigt.

Die Chlorose beispielsweise ist eine deutlich sichtbare Mangelerscheinung, bei der das Blattgewebe ausbleicht und gelblich wird, da sich das Chlorophyll (Blattgrün) nicht richtig entwickelt. Dies kann dadurch verursacht sein, dass bei einem oder mehreren Elementen ein Mangel aufgetreten ist. Oftmals wird dies ausschließlich einem Eisenmangel zugeschrieben, aber das braucht längst nicht immer der Fall zu sein. Häufig ist also buchstäblich Kaffeesatz lesen angesagt, um festzustellen, welche Nahrungselemente nun genau fehlen. Die Pflanze kann ihren Aufbauzyklus nicht richtig vollenden, und die daraus folgende Wachstumshemmung ist den Algen nur recht. Es bleiben nicht nur Nährstoffe im Aquarienwasser übrig, sondern die Pflanzen fangen auch noch an, Nährstoffe nach außen abzugeben. Dies alles wirkt algenfördernd. Wachstumshemmung durch einen Nährstoffmangel ist also unerwünscht.

Es ist denn auch besser, gleich eine hochwertige Pflanzenernährung zu verwenden, um sicherzustellen, dass alle Nährstoffe die Pflanzen in ausreichendem Maße erreichen.

FAZIT: Die TRILOGIE im Gleichgewicht

In der Praxis läuft es darauf hinaus, dass die Zugabe einer Pflanzennahrung häufig eine Sache von Versuch und Irrtum ist. Insbesondere bei neu eingerichteten Pflanzenaquarien ist von Anfang an eine nicht zu große Menge Dünger zu verwenden. Beginnen Sie langsam (häufig ein Drittel oder ein Viertel der empfohlenen Dosis), und versuchen Sie während der ersten Wochen festzustellen, welche Dosierung die beste Wachstumsgeschwindigkeit und Farbe der Pflanzen ergibt. So kann man innerhalb recht kurzer Zeit leicht die optimale Dosierung für dieses spezielle Becken bestimmen, und eine Überdosierung wird vermieden.

Algen werden im Anfangsstadium so gut wie sicher entstehen. Indem man dafür sorgt, dass die Pflanzen keinen Mangel an Licht und Nährstoffen leiden, werden die Pflanzen irgendwann eine zu starke Konkurrenz für die Algen, die dadurch verschwinden werden.

Mit diesem dritten Teil wurden die drei Hauptelemente behandelt: Licht, CO2 und zusätzliche Nährstoffe.

Dieses sogenannte Goldene Dreieck (Abbildung 10) muss stimmen, damit die Pflanzen optimal gedeihen können. Unser Testaquarium diente immer als Kupplung zwischen Theorie und Praxis. Bei jeder Neueinrichtung wurden die Richtwerte im Auge behalten und dafür gesorgt dass Licht, CO2 und zusätzliche Nährstoffe in ausreichendem Maße vorhanden waren. Die Abbildungen des Testaquariums in allen Teilen dieser Trilogie, zeigen dass es innerhalb einigen Wochen sehr wohl möglich ist um problemlos ein vollwertiges Pflanzenwachstum zu bewerkstelligen. Trotz leichtem Algenwuchs am Beginn wie etwa das von Fadenalgen, halten wir uns nach den Richtwerten und blieben wir düngen. Jedes Mal verschwanden die Algen nach 3 bis 5 Wochen. Offensichtlich waren die Pflanzen eine zu starke Konkurrenz für die Algen.

Das Goldene Dreieck gibt auch an, dass eine klarer Zusammenhang zwischen den drei Faktoren besteht. Sie beeinflussen sich gegenseitig. Stimmt auch nur einer nicht, dann werden die Pflanzen sofort reagieren und die Assimilation wird gestört. Die eingehaltenen Richtwerte sollen die angestrebten Grenzwerte definieren. Innerhalb dieser Grenzen können wir unsere Pflanzen frei wählen. Das war eine wichtige Forderung aus Teil I dieser Trilogie. Auch als schwierig bekannte Pflanzen wie Glossostigma elatinoides oder Eustralis stellata wuchsen in unserem Testaquarium besonders gut. Es traten keine Wachstumsstörungen auf.

Wenn Sie innerhalb der Grenzen dieser Richtwerte bleiben und diese einhalten, dürften Sie ohne Weiteres in der Lage sein, Ihr eigenes Pflanzenaquarium ohne Einschränkungen wunschgemäß einzurichten. Ich wünsche Ihnen dabei schon jetzt viel Vergnügen und hoffe, dass Ihnen diese Trilogie tiefere Einblicke in die Funktionsweise einer Pflanze und die damit zusammenhängenden Anforderungen verschaffen konnte.